Ligurien Artikel aus der "Freundin"

Weekend mit Dolce vita

Schnittige Yachten, schicke Cabrios an der Riviera: Zwischen malerischen Buchten und wildem Bergland trifft sich die Szene.

Wie jedes Jahr hat Luigi unsere Motorroller, diesmal einen grünen und einen blauen, vor seinen kleinen Vespa- und Fahrradverleih gestellt – und nach ein bißchen italienisch-deutschem Small talk starten Jan und ich in den sonnigen Aprilvormittag. Vor uns liegt die palmengesäumte Strandpromenade Santa Margherita Ligures, in der Ferne funkeln die pompösen Fassaden der Nobelhotels “Imperiale” und “Miramare”. Um die Jahrhundertwende gebaut, zeugen sie von der mondänen Vergangenheit des Badeorts. Hier gingen früher die Callas und die Garbo ein und aus – und noch heut ankern im Hafen Skipper aus aller Welt. Doch zwischen teuren Cabrios rollen jetzt hoch bepackte Motorroller über die Uferstraße, Kleinwagen voll mit jungen Leuten... Diese Gegensätze sind der Grund, warum Jan und ich uns immer wieder – am liebsten im Frühling – für einige Tage im “Hotel Mediterraneo”, einer hübschen gelben Villa mit großen Zimmern, in Santa Margherita einquartieren. An der Riviera di Levante trifft der internationale Jet-setter auf die britische Rentnerin, der hippe Mailänder auf das biedere französische Ehepaar, der Genueser Partylöwe auf den schüchterne Kölner Künstler. Und nur hier liegen schicke, belebte Badeorte wie Sante Margherita so unfaßbar dicht an einer einsamen, wilden Berglandschaft.

Auf dem Weg ins benachbarte Rapallo kommen wir an der “Bar Sabot” vorbei, die natürlich noch geschlossen ist. Erst am Abend gibt’s hier coole Cocktails und heiße Musik in super Ambiente – dafür aber bis in die frühen Morgenstunden! Der Bummel durch die laute Altstadt von Rapallo zwischen Corso Matteotti, Corso Italia, Corso Assereto und dem Strand macht Spaß, doch zum Shoppen ist die Gegend um die Via Mameli ursprünglicher und preiswerter. Mittags kehren wir bei Mario ein – in seiner Trattoria an der Piazza Garibaldi macht er die besten Fischnudeln der Welt! Hinterher ist natürlich Siesta in der Sonne angesagt. Die üblichen gebührenpflichtigen Badeanstalten sind nicht unsere Sache. Wir ziehen die Fels- und Kiesbuchten von Zoagli vor. Vorbei am wunderschönen Ausflugslokal “Da Tonino” spazieren wir am Meer entlang, bis wir “unsere” Klippe gefunden haben.

Am Abend sind wir im “Pellegrino” mit Raffaele und Anna verabredet, die wir vor einigen Jahren hier kennengelernt haben. Das Hotelrestaurant, ein ehemaliges Mönchskloster, liegt auf einem Berg versteckt hinter der Wallfahrtskirche Santuario di Montallegro und ist nur über einen schmalen Fußweg zu erreichen. Bei Focaccia, einer Brotspezialität, gefüllten Zucchiniblüten, Fisch und Wild planen wir mit unseren italienischen Freunden die Tage bis zu unserer Abreise.

Nach Chiavari müssen wir unbedingt – über die Gemüsemärket der Altstadt Borgolunge schlendern, in der Enoteca Bisoni am Corso Gianelli Wein kaufen, in einer der preiswerten Osterien an der arkadengesäumten Via Costaguta essen. Und nach Genua zum Shopping – auf der prachtvollen Via XX Settembre sind alle Nobelmarken vertreten, in den Gassen drum herum gibt es preiswerte Geschäfte. Zum Leuchtturm auf der mondänen Halbinsel von Portofino (viele Anwesen haben hier private Hubschrauberlandeplatze!) wollen wir natürlich auch – für den langen marsch entlohnt der unglaubliche Blick übers Meer, fern der Touristenmassen, die sich den ganzen Tag durch Portofino schieben. Wir können zum Kloster San Fruttuoso wandern – von Portofino über die Steilküste, vorbei an Olivenhainen und Gärten. Dort mit der Fähre nach Camogli übersetzen, mit seinen bunten Häusern und dem jungen Stadtleben unser erklärter Lieblingsort. Außerdem gibt`s dort ein rauschendes Frühlingsfest: Bei der “Sagra del Pesce”, jedes Jahr am zweiten Maisonntag, werde am Hafen in einer riesigen Pfanne zentnerweise Fische fritiert und kostenlos verteilt. Jan und ich schauen uns verzweifelt an: Ob wir so lange bleiben können? Raffaele und Anna lachen: “Sonst müßt ihr eben wiederkommen!” Ariane Bertsch

INFO: Anreise z.B. München Genua ca. 630 km. Hotel-Tip: “Mediterraneo” S. Margherita, 1 Woche HP ca. 665 Mark (TUI). Vespa: pro Tag ca. 40 Mark (unbedingt handeln!). Reiseführer: Italien.Riviera/Cinque Terre (M. Müller Verlag)
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