Bericht vom Mittwoch, 17. März 1999

Nebelfreies Ausflugsziel

Die Städter dringen in Liguriens Dörfer

Ligurien, dessen Küste besser als Italienische Riviera bekannt ist wird als Geheimtip gehandelt. Der Region zwischen Ventimiglia und La Spezia ist es gelungen, ihre spröde Ursprünglichkeit weitgehend zu bewahren. Auch die Verkehrsanbindung ist günstig. In acht Stunden von München erreicht man Ligurien über die Brennerautobahn.
Trotz aller Standortvorteile ist die Gegend nie zum Immoblilien-Modemarkt geworden. In Ligurien scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Das gilt vor allem für die kleine Dörfer im Hinterland. Würde nicht ab und zu eine Vespa durch die schmalen, kopfsteingepflasterten Gassen fahren, wären die Ziegeldächer nicht mit Satellitenschüsseln bestückt – man könnte meinen, am Beginn des 20., nicht des 21. Jahrhunderts zu stehen.
Liguren erstreckt sich von Ventimiglia an der französischen Grenze zru mondänen Côte d’Azur bis nach La Spezia, wo sie an die Toskana stößt. Die Hauptstadt Genua trennt die Region in die östlich gelegene Riviera di Levante und die westliche Riviera di Ponente. Wer hat nicht schon von Badeorten wie Portofino, Santa Margherita, Alassio und Diano Marina gehört? Die Cinque Terre sind ein beliebtes Urlaubsziel für Naturfreunde. Städte wie San Remo und Bordighera verleihen einen Hauch von Society-Glanz.
Liguriens größter Trumpf ist das unberührte Landesinnere. Industrie ist hier nicht zu finden. In den oft autofreien Dörfern spielt sich das Leben in ländlichem Rhythmus ab. Die Orte sind oft Jahrhunderte alt. Seit Menschengedenken werden hier Ölbaumwälder kultiviert.
Zusammen mit der Côte d’Azur hat die Riviera di Ponente das beste europäische Klima, gute Verkehrsverbindungen und ein preiswertes Immobilienangebot in Dörfern unweit der Küste. Dennoch ist Ligurien nicht zum Modemarkt für Käufer aus dem Norden geworden. Zur Freude der deutschen Hausbesitzer, die schon vor 25 Jahren ein rustico erwarben – damals für wenige tausend Mark. In vielen Dörfern, besonders in der Provinz von Imperia und Savona, haben Nordeuropäer ihre zweite Heimat gefunden.

Mildes Klima ohne Smog

Turin und Mailand sind nur zwei Stunden Autofahrt entfernt, damit ist Ligurien zum bevorzugtem Naherholungsgebiet für den reichen Norden Italiens geworden. Der Klimaunterschied ist trotz der geographischen Nähe erstaunlich:
Dichter Nebel und Minustemperaturen lassen die Bewohner der piemontesischen und lombardischen Ballungszentren an die selbst im Winter milden, sonnigen und smogfreien Küstenorte Liguriens kommen. Diese Immobiliennachfrage hat die Preise des Küstenmarktes hochgetrieben und besonders die Modeküste Riviera di Levante auf ein Preisniveau gebracht, das den Kauf eines Zweitdomizils in der Regel ausschließt.
Für Immobilien in den charakteristischen Dörfern im Landesinneren ist die italienische Nachfrage gering. So haben sich die Preise auf einem niedrigeren Niveau gehalten. Vor allem sanierte oder nicht renovierte Dorfhäuser werden angeboten, Baugrundstücke oder Neubauten hingegen selten. Der Grund liegt unter anderem im Landschaftsschutz. Preislich besonders günstig sind Häuser in Dörfern, die 15 bis 30 Kilometer von der Küste entfernt liegen. Gerade in den Tälern der Westlichen Riviera ist das Angebot breit, und die Preise sind noch mäßig. Das Preisloch konzentriet sich in den Tälern um Albenga, Diano Marina, Imperia, Arma di Taggia, San Remo und Ventimiglia. Für nicht renovierte Dorfhäuser in diesem Bereich Liguriens sollte man mit 800 bis 1000 Mark pro Quadratmeter rechnen. Qualitativ hochwertig sanierte Häuser liegen bei 2000 bis 3000 Mark pro Quadratmeter. Wohnungen an der Küste beginnen bei 3000 und gehen bis 10000 Mark pro Quadratmeter. Einfamilienhäuser mit Garten sind ab 500 000 Mark zu haben.
Die mondänere östliche Küste der Riviera di Levante hat höhere Immobilienpreise. In den Postkartendörfern der Cinque terre oder um Portofino bewegen sich die seltenen Angebote auf Spitzenniveau, für Interessenten besteht eine lange Warteliste. Die Immobilienpreise an der Riviera di Levante sind 30 bis 50 Prozent höher als and er Ponente.
Die Transaktionskosten für den Käufer liegen bei etwa elf Prozent für die Grunderwerbsteuer (tassa di registro) die auf den deklarierten Kaufpreis erhoben wird. Die übliche Unterverbriefung von bis zu 50 Prozent des Kaufpreises ist in Italien allen Beteiligten bekannt und von den Behörden geduldet. Hinzu kommen Notarhonorare und –gebühren von 2000 bis 5000 Mark. Beim Kauf über einen Vermittler wird man versuchen, auch vom Käufer eine Kommission zu erhalten. Eine Finanzierung vor Ort ist nicht üblich. Die italienischen Finanzierungsinstitute sind meist nicht bereit, Käufe von nicht residenten Kreditanwärtern zu finanzieren. PETRA HALL
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